Weihnachtsrot

„Ein Männlein steht im Walde …“ so begrüßte mich mein Mann vorhin. Ja, es hat schon was, so ein knallrotes Kleid. Aber bis es fertig war, das dauerte schon eine ganze Zeit. Warum? Der Schnitt erschien zuerst so, dass ich dachte:“ Ach, das ist ja mal ein einfacher Kleiderschnitt.“ Hm, dem war ganz und gar nicht so. Der Schnitt ist von „Natur zum Anziehen“, das Hoshi-Kleid.

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Hier seht Ihr das 1., das hellblaue und das 2. Kleid (1.  Versuch) das rote Kleid.

Ich habe von diesem Schnitt sogar zwei Kleider genäht. Beim 1. Kleid dachte ich dass es wohl der falsche Stoff ist. Beim Erstellen des Schnittes war mir schon klar geworden das er recht groß ausfällt. So habe ich die Größe S gewählt und als ich das 1. Kleid, das hellblau-gestreifte aus einem feinen Strickstoff, den ich einmal von einer Freundin geschenkt bekommen habe, dann anprobierte, bekam ich einen Schreck. Viel zu groß.

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Völlig verunsichert dachte ich, dass ich mich vielleicht doch vertan habe – aber nein, es ist die Größe S, die ich gewählt habe. So habe ich alle Nähte wieder aufgetrennt und pro Naht, also vorne, hinten und an den Seiten jeweils ca. 6 cm weggeschnitten!!! Das habe ich noch nie bei einem Schnitt gehabt, hatte ich doch vorher gemessen und auch als Vergleich einen passenden, anderen Schnitt auf das Schnittmuster gelegt. Ich dachte, allzu eng darf es ja auch nicht sein. Immer wieder habe ich es geheftet und probiert. Nach vielen Stunden und kurz bevor das Kleid in der Tonne landete, saß es dann so einigermaßen.

Seht selbst. Das ist das 1. Kleid, das hellblau-gestreifte:

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Diesen Schnitt, also ein Kleid nach diesem Schnitt, habe ich auf der Creativa in Dortmund im letzten Jahr auf einem Bügel hängen sehen und war total begeistert. Mir gefiel das Kleid so gut, dass ich sofort den Schnitt gekauft habe. Aber jetzt, so an mir, Hm, ich musste wirklich viel abstecken und heften, wieder auftrennen und noch einmal neu usw. Ich weiß nicht, wie oft ich das gemacht habe. Aber ich finde den feinen Strickstoff so schön, es ist, ja ich denke, es ist Merinowolle. Dieser Stoff ist so angenehm auf der Haut. Und um dem ganzen dann Schlussendlich ein wenig Pepp zu geben, habe ich einen Streifen von 7 cm breite quer zum Fadenlauf zugeschnitten und unten am Saum angenäht. Dadurch hat das Rockteil etwas Stand bekommen. Farblich wollte ich auch noch einen Akzent setzen und so habe ich limefarbene Ärmelbündchen gewählt.

Und weil ich dann dachte, dass es vielleicht die falsche Stoffwahl gewesen ist, dass ich deshalb so viele Schwierigkeiten beim Nähen hatte, habe ich als 2. Versuch einen ganz festen, dicken Jersey gewählt. Ich denke, es ist ein Romanit-Jersey, er ist schon fast so dick wie Sweatstoff. Jetzt, so dachte ich, hat der Schnitt vielleicht den richtigen Stoff.

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So habe ich dann frohen Mutes zugeschnitten und die 1. Anprobe war dann genauso wie die erste Anprobe bei dem hellblauen Kleid. Viel zu weit! Obwohl ich das im Schnitt berücksichtigt hatte. Oh man, ich war kurz davor, wieder alles in die Ecke zu schmeißen, zweifelte an meinen Nähfähigkeiten. Ich wollte das Kleid genauso haben, wie ich es in Dortmund gesehen hatte. Und dieses Bild hatte ich die ganze Zeit vor Augen.

Aber es war genauso wie beim 1. Kleid: heften, auftrennen, heften, auftrennen und ja, irgendwann dachte ich, ok, es bleibt jetzt so.

Wie Ihr auf dem Foto sehen könnt, hatte ich zuerst noch einen limefarbenen Streifen unten als Saumabschluss und auch die limefarbenen Ärmelbündchen. Irgendwie finde ich die Farbe Lime gerade so toll. Aber dieser helle Streifen als Saumabschluss, ne, ich hatte so ein Gefühl von „Verkleidet“.

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Also habe ich ganz vorsichtig die Overlocknaht und den von Hand angenähten Saum wieder auf- und abgetrennt. Die untere Saumlänge sind ca. 2,50 m., der Schnitt ist ja leicht „glockig“, durch die vier Stoffbahnen, die nach unten ziemlich breit werden. Da habe ich schon eine Weile dran gesessen. Grollend habe ich diese Arbeit verrichtet. Dann habe ich einen neuen Streifen in Rot und in der gleichen Breite und Länge zugeschnitten und den Saum wieder mit der Hand genäht. Ich nähe gerne mit der Hand Säume, weil ich diese Tätigkeit als sehr meditativ empfinde und ich auch der Meinung bin, dass mit der Maschine genähte Säume nicht immer passend sind.

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Mit dem Kragenabschluss stand ich zu guter Letzt auch noch auf Kriegsfuß. Irgendwie wollte und wollte der nicht sitzen. Auch hier habe ich vorsichtig die Seitennähte aufgetrennt, probeweise etwas enger genäht, verworfen und dann doch wieder so genäht, wie er vorher war. Jetzt habe ich den Kragen von Innen nur an den Nähten mit wenigen Stichen geheftet. Ich glaube, so bleibt es jetzt.

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Auf jeden Fall werde ich mir, wenn sich die Gelegenheit noch einmal bieten sollte, das Kleid noch einmal im Original ansehen. Oder hat jemand von Euch dieses Kleid schon einmal genäht und kann mir sagen, was ich besser hätte machen können?

Und nun schaue ich beim MMM vorbei. Heute stellt Ann-Sophie und einen unglaublichen, hammermäßigen, traumhaften … Frack vor. Oh, ich bin ja sowas von begeistert!!! Ach ich könnte ins Schwärmen geraten. Aber ich muss mir auch noch ansehen, was die anderen nähbegeisterten Frauen genäht haben. Der Mittwoch ist für mich immer das Highlight der Woche und Ideenschmiede pur.

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Kommentare

  • Fröbelina sagt:

    Das ist wirklich ein toller Schnitt und ich kann absolut verstehen, dass du den einfach kaufen musstest 🙂 Dass du da wirklich 6 cm an jedem Teil rausnehmen musstest klingt ja fast unglaublich! Das darf natürlich nicht sein. Super, dass dir die Kleider aber trotzdem gelungen sind, verrückt, dass trotzdem die Streifen aufeinandertreffen, das muss wirklich Arbeit gewesen sein. Wenn du jetzt etwas mit den Kleidern fremdelst, dann liegt das sicher nur an der Vorgeschichte und dem schlechten Gefühl da so viel Weite rausnehmen zu müssen, beide Kleider sehen nämlich echt gut an dir aus, die Silhouette ist klasse.
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Epilele sagt:

      Liebe Katharina,
      vielen Dank für Dein Lob. Um mich mit dem roten Kleid anzufreunden, werde ich es heute Abend auf einem Konzert meiner großen Blondine anziehen. Hoffentlich denkt niemand, ich sei die Frau vom Nikolaus.
      Liebe Grüße Epilele

  • Oh Mann … was für eine Talfahrt. Aber sie hat sich gelohnt!!! Du siehst klasse aus.

    Liebe Grüße,
    Viktoria

  • Lucy sagt:

    Gut, dass du durchgehalten hast, ich finde die Kleider sind sehr gut geworden! Das rote Kleid finde ich ohne den Saumstreifen auch besser, schlichter ist besser in dem Fall. Natürlich habe ich den Vergleich zum Creativa-Kleid nicht, aber ich kenne das, wenn man eine feste Vorstellung im kopf hat, wie es werden soll.

  • Julia Jamei sagt:

    Das Kleid steht dir unglaublich gut. Ich finde deine Idee mit den gelben Kontrasten super!

    Lieben Gruß,
    Julia

    juliajamei.blogspot.de

  • Ute sagt:

    Dem Kleid sieht man die Änderungen nicht an, aber ich kann nachvollziehen, dass das nervig ist. Und das rote gefällt mir ohne farbige Blende viel besser, überhaupt sind beide Kleider ganz toll, lg Ute

  • griselda sagt:

    Was für eine Odyssee…
    Und schlussends hast du alles super gemacht, auch dass du nochmal den Saumabschluss geändert hast war goldrichtig.
    Du musst unbedingt die ganzen Änderungen auf deinen Schnitt übertragen, den prinzipiell ist das Kleid sehr super für deine zierliche Figur.
    (Für den Sommer dann mit tieferem Ausschnitt- denn dann hast du einen schönen Basicschnitt mit dem du gut arbeiten kannst!)

    • Epilele sagt:

      Vielen Dank Euch allen für die lieben Kommentare. Ja, ich trage immer alle Änderungen in die Schnitte ein. Manchmal denke ich, ach, das behalte ich und wenn ich dann den Schnitt in der Hand habe, überlege ich, wie es war. Da sind ein paar Notizen ganz hilfreich.
      Martina, die Idee, den Ausschnitt für den Sommer zu vergrößern, ist eine tolle Idee. Die trage ich direkt in den Schnitt ein. Jetzt, nach so vielen Änderungen muss eigentlich noch einmal ein Nachfolger kommen. Danke Dir.